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Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie

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Boden des Jahres 2014

Der Weinbergsboden

Kennzeichnend für viele Weinbergsböden ist der wiederholte Tiefumbruch (1 bis 3 Meter unter Geländeroberfläche) – das Rigolen. Vielfach werden dabei grobe Steine ausgelesen und Verdichtungen gelockert sowie reichlich organischer Dünger und Bodenmaterial, früher auch organische Hausabfälle, in die Böden eingebracht. Dadurch entsteht eine Bodenmischzone, der typische R-Horizont. Ziel des Rigolens ist die Verbesserung der Wasser- und Nährstoffversorgung der Reben.

Früher erfolgte das Rigolen alle 30 bis 80 Jahre per Hand (Grabenrigolen), heute alle 20 bis 40 Jahre maschinell. Nicht alle Weinbergsböden sind Rigosole im Sinne der deutschen Bodenklassifikation. Der überwiegende Teil der Weinbauflächen ist zwar rigolt worden, in Weinbergen finden sich aber auch natürlich gewachsene Böden. Aus der Verbindung von Geologie, Boden, Klima und Kulturlandschaft ergibt sich das sogenannte Wein-Terroir, das den Charakter der in der jeweiligen Region angebauten Weine bestimmt.

Aufgrund ihrer typischen Lage an Talhängen, in Tälern und Auen der Flüsse spielen Weinbergsböden eine zentrale Rolle beim Rückhalt von Wasser sowie von Nähr- und Schadstoffen und leisten somit einen wichtigen Beitrag zum Hochwasser und Gewässerschutz. Die Böden historischer Weinbergslagen sind als Archiv der Kulturgeschichte besonders schützenswert. Gleiches gilt für das Landschaftsbild von Rebflächen und den touristischen Erholungscharakter durch die Kombination aus Weinkulturlandschaft und Weinwirtschaft.


Wein in M-V?

Die ersten Weine wurden nach LORENZ & SCHUTZ (2003) im 5. Jahrtausend v. Chr. in Nordmesopotamien und im Westiran hergestellt. Ausgehend von den Kulturen der Ägypter, Phönizier, Griechen gelangte die Reb- und Weinkultur über die Römer nach Deutschland. Im Mittelalter erfuhr der Weinbau in Europa seine größte Ausdehnung, da Wein nicht nur für rituelle Handlungen während des Gottesdienstes benötigt wurde. Schließlich nahm die Bedeutung des Weins als Nahrungs- und Genussmittel (als unentbehrlicher Bestandteil von Festen und Brauchtum), als Medizin und nicht zuletzt als Statussymbol für Adel und Bürgertum immer weiter zu.

Der Weinbau in Mecklenburg hat eine fast 800-jährige Tradition. Anfang des 13. Jahrhunderts brachten Zisterziensermönche den Weinbau u. a. nach Güstrow, Schwerin und Neukloster. Seine Blütezeit erlebte der Weinbau Mitte des 16. Jahrhunderts wie LORENZ & SCHUTZ (2003) belegen (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Historische Weinbaugebiete in M-V, LORENZ & SCHUTZ (2003).

Herzogliche Weinberge wurden angelegt in:  
Schwerin
Güstrow (Hänge am Schloss)
Gadebusch (Hänge am Schloss)
Grevesmühlen
Lübz
Plau
Burg Stargard
Weinberge im Besitz kirchlicher Einrichtungen:  
Kloster Sonnenkamp (Neukloster)
Präzeptorei Tempzin (südwestlich von Warin)
Johanniter-Komturei Mirow
Gutow (südlich von Güstrow)
Weinberge des Landadels:  
Schorssow (südlich von Teterow)
Marmerow (östlich von Güstrow)
Städtische Weinberge:  
Neubrandenburg (am Mühlenholz und Galgenberg)
Waren
Goldberg
Sternberg
Crivitz

Der historische Weinbau endete laut LORENZ & SCHUTZ (2010) mit der "Kleinen Eiszeit", die etwa 1550 einsetzte und bis 1850 andauerte. Sie hatte den gravierenden Rückgang der Weinkultur in dieser Region zur Folge.


Aktueller Weinbau in M-V

Zwischen den Jahren 1999 (Rattey) und 2002 (Burg Stargard) setzte die Wiederbelebung des Weinbaus in M-V ein (LORENZ & SCHUTZ 2003, SCHMIDT 2012). Am 13. 2. 2004 bestätigte der Bundesrat das „Stargarder Land“ (Burg Stargard und Rattey) als 14. Weinbaugebiet Deutschlands. Dies wurde möglich, da Rheinland-Pfalz auf einen entsprechenden Anteil seiner Anbauflächen verzichtete und diese für den Weinbau in M-V zur Verfügung standen. Dieser Transfer liegt darin begründet, dass die EU die Größe der Weinbauflächen länderspezifisch festlegt und dieses Kontingent nicht überschritten werden darf. Neben dem Landweinbaugebiet „Stargarder Land“ gibt es nach SCHMIDT (2012) private Weinbauer in Kühlungsborn, Stralsund, Lodmannshagen und Loddin (siehe Abbildung 1).

Boden des Jahres 2014 - Verbreitungskarte

Abbildung 1: Weinbaugebiete in M-V, nach Stefan Schmidt (2015) sowie LORENZ & SCHUTZ (2003), geändert LUNG 2015.


Weinbau in Rattey

Die lokalklimatisch günstige Lage von Rattey lässt sich auf die geologische Situation der Region zurückführen. Die Ortschaft, östlich von Schönbeck, liegt im Süden der Mecklenburger Eisrandlage, einer aus zahlreichen Rücken bestehenden Stauchendmoräne. Im Stromschatten dieses West-Ost verlaufenden mittelgebirgsähnlichen Höhenzuges (+ 148 m NN) beträgt die Niederschlagsmenge nur ca. 590 mm pro Jahr, weshalb kaum Pilzbefall in den Weingärten vorzufinden ist (LORENZ & SCHUTZ 2003). Zudem führt die Süd-exponierte Lage zu ausreichender Sonnenscheindauer für das Wachstum der Reben (siehe Abbildung 2).

Boden des Jahres 2014 - Weinbergsboden

Abbildung 2: Der Weingarten "Gartenberg" von Rattey, LUNG 2015.

Im Rahmen der bodengeologischen Landesaufnahme legte das LUNG an zwei Standorten (siehe Abbildung 3) Profilgruben zur bodenkundlichen Kartierung an.

Boden des Jahres 2014 - Weinbergsboden

Abbildung 3: Kartierstandorte in den Weingärten von Rattey, nach Stefan Schmidt (2015), geändert LUNG 2015.


Standort 1, ein ehemaliger Gartenstandort, zeichnet sich durch einen humosen Oberboden sowie einen stauend wirkenden, kalkhaltigen Unterboden aus (siehe Abbildung 4).

Boden des Jahres 2014 - Weinbergsboden

Abbildung 4: Bodenprofil am Kartierstandort 1 im Weingarten "Gartenberg" in Rattey, eine Pseudogley-Braunerde, LUNG 2015.

In der Nähe eines ehemaligen Kies- und Sandabbaus befindet sich der Standort 2 (siehe Abbildung 5), welcher weniger tiefgründig entwickelt, aber durchgängig kalkhaltig im Vergleich zu Standort 1 ist.

Boden des Jahres 2014 - Weinbergsboden

Abbildung 5: Bodenprofil am Kartierstandort 2 im Weingarten "Mühlberg III" in Rattey, eine Pararendzina, LUNG 2015.

Beide Kartierstandorte wurden zwar vor der Anpflanzung der Rebstöcke 30 cm tief gepflügt, entsprechen aber gemäß der deutschen Bodenklassifikation nicht den Rigosolen, sondern den natürlich gewachsene Böden.

Inwieweit es zukünftig gelingen wird, in den "thermischen Oasen" Mecklenburg-Vorpommems aus dem vereinzelten Hangweinbau, der von Hobbywinzem betrieben wird, einen Hangweinbau mit Nebenerwerbswinzern zu entwickeln, hängt nach LORENZ & SCHUTZ (2010) vor allem von der Entwicklung der klimatischen Bedingungen ab.


Lorenz, I.; Schutz, W.: Die Renaissance des Weinbaus in Norddeutschland, in: Stier und Greif - Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern 13 (2003), S. 9–18, Schwerin.

Lorenz, I.; Schutz, W.: Klimawandel und Weinbau in Mecklenburg-Vorpommern, in: Stier und Greif - Blätter zur Kultur- und Landesgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern 20 (2010), S. 10–21, Schwerin.

SCHMIDT, S. (2012): Weinbau im Schatten von Burgen und Schlössern - Vom alten und neuen Weinbau im Stargarder Land und in Mecklenburg-Vorpommern. 1. Aufl., Edition Lesezeichen, Friedland.

SCHMIDT, S. (2015): „Mecklenburger Landwein“ – Die Weingärten von Rattey, URL: http://www.mecklenburger-landwein.de/uebersichtsplan-der-ratteyer-weingaerten-weingaerten-wein.html (Stand: 08.05.2015)


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