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Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie

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Kreidekalk und Kieselkreide

Unter Kreidekalken versteht man ein weiches, wenig verfestigtes marines Sedimentgestein. Im nordöstlichsten Teil Rügens treten im Zentrum der Halbinsel Jasmund bei Wittenfelde, Promoisel und bei Goldberg-Lancken mehrere Schollen der Kreidekalke in oberflächennaher Lage auf (s. Abb. 1). Die Mindestmächtigkeit einzelner Kreideschollen beträgt etwa 9 m aber die Gesamtmächtigkeit des Schollenkomplexes erreicht ca. 50-70 m. Die Lagerungsverhältnisse der Kreideschuppen wie auch die Wasserführung der aufgestauchten Pleistozänablagerungen verursachen lokal komplizierte Abbaubedingungen (vgl. GROTH 2003). Bei der Rügener Schreibkreidefazies handelt es sich um einen homogenen, wenig verfestigten, weitgehend reinen Kalkstein, der überwiegend aus mikroskopisch kleinen Kalkskeletten bzw. Trümmern ehemaliger Meerestiere (Coccolithen und Foraminiferen) besteht. Der marine Schreibkreidekalk wird stratigraphisch in das Obere Campan und Untere Maastricht gestellt (HERRIG 2004). Als wichtigstes Nebengemengteil tritt in geringen Mengen Kieselsäure auf, die gelegentlich in dünnen, parallel verlaufenden Flintbändern oder in Form von Feuersteinknollen angereichert ist. Die Korngrosverteilungen sind für die Nutzung als Schlämmkreide recht günstig. Der Anteil der Feinkreidefraktion < 63 µm beträgt ca. 75-90 M.-% und der Weissegrad schwankt zwischen 73,7 und 95,1 %. Bei einer durchschnittlichen Bergfeuchte von etwa 23 % sowie Flint- und Grandgehalten von selten mehr als 25 % ergibt sich eine durchschnittliche Feinkreidegewinnung von mindestens 50 %.

Abb. 9 Bei Klementelvitz auf Rügen werden in der Abbaustelle Promoisel Kreidekalke abgebaut
Abb. 9 Bei Klementelvitz auf Rügen (Jasmund) werden in der Abbaustelle Promoisel Kreidekalke abgebaut (Foto: A. Börner, 2010)

Nach geeigneter Aufbereitung lässt sich aus der Rügener Kreide hochwertige Feinmahl- oder Schlämmkreide gewinnen. Die Schreibkreide wird mittels Tieflöffelbaggern gewonnen und über eine Bandanlage zum Werk Klementelvitz transportiert. Die Verarbeitung erfolgt im nahe gelegenen Kreidewerk Klementelvitz durch Aufschlämmen, Pressen, Trocknen und Klassieren. Zunehmend wichtig für den Absatz minderwertigerer Kreidekalke ist der Einsatz für die Rauchgasentschwefelung der Kohlekraftwerke Rostock und Jänschwalde (Lausitz). Für die Produktion von Dünger- und Futterkalk werden die im Schlämmprozess der Reinkreide anfallende Kreidegrand (Korngrößenbereich 0,063-1 mm) genutzt. Für das Abbaufeld Goldberg/Lancken-Dubnitz wurde 2009 mit Planfeststellungsbeschluss und Rahmenbetriebsplan eine bis in das Jahr 2117 gültige Abbaugenehmigung für insgesamt 35 Mio. t Kreide erteilt. Die Kreidekalkvorkommen Rügens besitzen somit eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung und werden in größerem Umfang unter guter Wertschöpfung als Rohstoff für die Kreide- und Kalkerzeugung genutzt.

Außer den bekannten Vorkommen von Schreibkreide auf Rügen liegt u.a. im östlichen Vorpommern bei Löcknitz eine weitere bedeutende Perspektivlagerstätte von Kreidekalk und Kieselkreide der Oberkreide (Ober-Campan bis Unter-Maastricht). Im Chemismus unterscheidet sich die Kreidekalke mit ca. 92 % CaCO3 und 5 % SiO2 deutlich von der Kieselkreide mit ca. 72 % CaCO3 und 22 % SiO2. Die Lagerstätte Löcknitz ist eine erkundete Rohstoff-Reserve, die sich gemittelt aus 38 m Kreidekalken und 51 m Kieselkreide zusammensetzt. Bei einer erkundeten Abbautiefe bis -55 m HN betragen die Vorräte 656 Mio. t Kreidekalk und 898 Mio. t Kieselkreide. Die Perspektiv-Kalklagerstätte Löcknitz ist wie die angrenzende Tonlagerstätte Mewegen noch unverritzt und bei kombinierter Nutzung wäre hier in Zukunft eine Zementproduktion möglich.


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